Was ist eine Übungsfirma?

Virtuelles Abbild eines realen Unternehmens

Eine Übungsfirma ist ein virtuelles Unternehmen für die kaufmännische Aus- und Weiterbildung. Es wirtschaftet und handelt unter Echtbedingungen, etwa so wie ein Flugsimulator für Piloten. Die Anzahl der Übungsfirmen in Deutschland bewegt sich zwischen 500 und 600.

Von der Personalabteilung bis zum Marketing – jede Übungsfirma ist das perfekte Abbild eines Unternehmens und seiner kaufmännischen Abteilungen. So können die »Mitarbeiter/-innen« der Übungsfirmen alle Abläufe des täglichen Wirtschaftsgeschehens unter echten Rahmenbedingungen lernen und trainieren. Alle Aktivitäten entsprechen der kaufmännischen Praxis. Der Warenverkehr wird durch Lieferscheine abgebildet, der Zahlungsverkehr durch virtuelles Buchgeld. Für den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr steht eine eigene Übungsfirmenbank zur Verfügung.

Warum gibt es Übungsfirmen?

Die besondere Stärke der Übungsfirma sind ihre Außenkontakte. So wie Unternehmen in der realen Marktwirtschaft stehen auch Übungsfirmen zueinander in interaktiver Geschäftsbeziehung. Neben fachlichen Kompetenzen erwerben Teilnehmer/-innen damit durch die Arbeit im Team und die selbstständige Lösung realer Problemstellungen wertvolle Schlüsselqualifikationen, die sie in ihren späteren beruflichen Alltag mitnehmen können.

So wird ein (Wieder-)Einstieg in den Job erheblich erleichtert, und auch potenzielle Arbeitgeber profitieren von in der Praxis vorbereiteten und unmittelbar einsetzbaren Mitarbeiter(inne)n! Übungsfirmen können die kaufmännische Ausbildung sinnvoll unterstützen, z.B.:

  • als Praxisanteil einer theoretischen Ausbildung in den berufsbildenden Schulen
  • in der Weiterbildung im kaufmännischen Bereich (FbW)
  • in der beruflichen Rehabilitation
  • in Unternehmen, die in der betrieblichen Ausbildung und im betrieblichen Gesamtzusammenhang spezielle Ausbildungsinhalte komprimiert vermitteln wollen.

Träger von Übungsfirmen sind verschiedene Berufsbildungswerke und Berufsförderungswerke, das Berufsfortbildungswerk des DGB, die Deutsche Angestellten Akademie (DAA), Staatliche Schulen, Schulen und Akademien freier sowie öffentlich-rechtlicher Träger und Wirtschaftsunternehmen.

Modell mit Geschichte

Die Idee der Übungsfirmen gibt es schon lange. Erste Spuren lassen sich bis ins 17. Jahrhundert verfolgen. So veröffentlichte beispielsweise der "Rechenmeister" Ambrosius Lerice bereits 1610 in Danzig ein Lehrbuch für Buchhaltung. Im 2. Teil, der 1660 erschien und mit "Commission und Factorey" überschrieben ist, lässt er den fiktiven Kaufmann Peter Winst fiktive Geschäfte führen, die die Schüler erfassen und verbuchen sollten.

Bereits um 1920 gab es erste Verbände in Europa, innerhalb derer zu Ausbildungszwecken Geschäftsbriefwechsel miteinander betrieben wurden. Die erste „echte“ deutsche Übungsfirma wurde 1954 gegründet. Die Gründung der ältesten Übungsfirma, die noch heute aktiv ist, datiert auf das Jahr 1960.